Spazieren und Flanieren

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber erwische mich recht häufig bei meinen Routinen. Vielleicht ist "erwischen" hier gar nicht das richtige Wort. Denn Routinen sind (auch) gut und wichtig und helfen so manches Mal über/durch anstrengende Zeiten. Eben weil sie gerade nicht anstrengend sind. Sie kosten praktisch keine Kraft und erledigen sich "wie von selbst". Dafür sind sie hin und wieder sterbenslangweilig, öde, monoton und welches Attribut einem noch so einfallen mag.

Fördewanderweg

Fördewanderweg

Was das alles mit "Spazieren und Flanieren" zu tun hat?

Jaaa, das ist wirklich eine gute Frage! Ein sehr gutes Beispiel für meine Routinen sind meine Wege. Mein Arbeitsweg verändert sich nur, wenn sich mein Fortbewegungsmittel ändert oder schlechterdings, wenn eine Baustelle meinen Weg kreuzt oder ihn gar unpassierbar macht (soll ja hin und wieder vorkommen, meist ziemlich überraschend).

(Achtung, ich biege in die Zielgerade) Dasselbe gilt für meine Spazierwege. Die, die ich benutze, um mal vor die Tür zu kommen, mir ein wenig Wind um die Nase wehen zu lassen oder ganz allgemein draußen zu sein. Routiniert schreite ich die mir bekannten Runden ab. Dabei laufe ich Gefahr, draußen - aber nicht mittendrin zu sein. Nicht wahrzunehmen, was sich um mich herum verändert, denn ich kenne es ja schon.

Projensdorfer Gehölz

Heißt es doch, dass man sich an den kleinen Dingen erfreuen soll: An dem stimmungsvoll illuminierten Haus am Ende der Straße, dem tollen, alten Baum da hinten auf der Koppel, dem Wald, der einen mit seiner feuchten Kühle im heißen Sommer empfängt... Wie war das noch? Ausbrechen! Andere (Spazier-)Wege gehen, etwas Anderes oder Neues versuchen.

Wir haben uns auch für dich auf den Weg gemacht und genau dieses ausprobiert. Wir haben eruiert, wo es sich lohnt, einen Abstecher zu wagen, ein Päuschen einzulegen oder gar einzukehren.

Hier sind unsere ersten drei Vorschläge:

  1. Schwentine
  2. Fördewanderweg
  3. Nord-Ostsee-Kanal

1. Spazieren an der Schwentine

Eine landschaftlich reizvolle und erholsame Gegend bietet der Osten Kiels. Wo sonst in Kiel hast du beispielsweise die Gelegenheit, den Sonnenuntergang zu genießen? Soweit du nicht diesseits der Förde wohnst und doch hin und wieder deine „ausgetretenen“ Pfade verlassen möchtest, bist du hier ganz richtig aufgehoben.

Blick aufs Westufer - Sonnenuntergang

Blick auf das Westufer- Sonnenuntergang

Nun ist man ja als Kieler mit der Ostsee hinsichtlich der Gewässer eher größere Dimensionen gewöhnt. Wie wäre es da mal mit einem (kleinen) Fluss? Die Schwentine gehört zu den längsten Flüssen – in Schleswig-Holstein. Bei der bundesweiten Betrachtung kann sie sich natürlich nicht mit den „Dickschiffen“ der Ströme, wie Donau, Elbe oder der Oder messen. Während die Juristen eine an sie gerichtete Frage allzu gern mit „Es kommt darauf an,“ beantworten, kann man die Frage, ob die Größe der Schwentine in Relation zum Erholungswert steht, getrost verneinen. Nein, es kommt nicht darauf an. In unseren Augen liegt sogar ein enormer Vorteil in der überschaubaren Länge.

Schwentine

Schwentine

Jedenfalls vermittelt die Schwentine einen sehr naturbelassenen Eindruck: Es gibt keine Frachtschifffahrt, nur Ausflugsdampfer, Ruder- und Paddelboote. Und natürlich SUP’s. Ein Teilstück der Schwentine, der Altarm, ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und liegt zwischen Raisdorf und Klausdorf – nahe Kiel.

Blick auf die Schwentine

Blick auf die Schwentine

Wenn dich denn nun die Schwentine lockt, könntest du z. B. am Kieler Hauptbahnhof starten. Den kannst du bequem mit den Öffis erreichen und schon geht es los – über die Hörnbrücke, Richtung Schwentinemündung, z.B. den kleinen Schwentinestrand …

Hörnbrücke

Am besten, du benutzt eine der zahlreichen Wander-Apps, die wirklich tolle Touren, Kommentare der Nutzer und Bilder enthalten.

Viel Spaß !!!

2. fördewandereweg

Weil wir schon auf dem Ostufer sind, bleiben wir auch gleich mal hier. Den Fördewanderweg musst du gesehen haben! Denn du hast (fast) die gesamte Zeit Blick auf unsere schöne Förde bzw. die Ostsee. Wenn du keine Lust hast, die 30 km an einem Tag zu laufen, kannst du jederzeit an einem beliebigen Ort aufhören oder starten.

Fördewanderweg

Fördewanderweg

Dafür könntest du z.B. ganz bequem mit dem Fördedampfer (SFK Kiel) übersetzen. Von hüben nach drüben oder umgekehrt. Eine Einschränkung gibt es hier in den Monaten von Oktober bis März, weil die F1 dann nur auf dem „Winterdreieck“ (Möltenort, Friedrichsort, Laboe) fährt. In den Sommermonaten jedoch pendelt der ÖPNV von der Kieler Bahnhofsbrücke, Seegarten, Reventlou, Bellevue, Mönkeberg, Möltenort, Friedrichsort, Laboe (ggf. auch Falckenstein, Schilksee und Strande). Doch keine Sorge, möchtest du die Öffis benutzen, kannst du auch bequem in die Bus-Linie 100 einsteigen, die bringt dich von Laboe wieder zurück zum HBF.

Fördedampfer in Kiel

Fördedampfer in Kiel

Und was ist denn nun der besondere Reiz? Für uns ganz klar der Fakt, dass du am Wasser entlang schlenderst, ohne dass du nasse Füße bekommst. Der Blick auf die Förde, die Seeluft in der Nase, Möwengeschrei, was gibt es denn für uns „Klippenkotzer“ Schöneres? Und der geneigte Besucher oder Urlauber wird sich an diesem „Reizklima“ sicherlich auch erfreuen.

Strand in Laboe

Strand in Laboe

Ansonsten gibt es unterwegs die eine und andere schöne Station, die es sich zu erkunden lohnt. Mal abgesehen davon, dass neben der fantastischen Aussicht seewärts auch die Landseite hin und wieder einen Augenschmaus zu bieten hat. ZB., wenn man zwischen Mönkeberg und Heikendorf an Häusern entlangschlendert, die wirklich zum Träumen anregen.

Hafen Möltenort

Seebrücke Kitzeberg, Kick ut

Apropos Heikendorf: Hier solltest du unbedingt im „Kiek ut“ inkieken (oder auch „reinschauen“- das Wort ist aber an der Stelle nicht so witzig), denn bei einem köstlichen Gericht, oder einfach nur Kaffee und Kuchen kannst du nirgends besser die Aussicht auf die Förde und die Schleuse zum NOK (Nord-Ostee-Kanal) genießen!

Ein Abstecher ins "Kiek ut"

Welch` eine grandiose Lage. Das Kiek ut hat den perfekten Standort an der Kieler Förde. Hier findest du das Kiek ut: 

Strandrestaurant Kiek ut
Schönkamp 1
24226 Heikendorf
Tel. +49 431 56013380

Zum Bericht...

3. Nord-Ostsee-Kanal

Und weil man vom Kitzeberg (und dem „Kiek ut“) zur Schleuse des NOK, also der „Einfahrt“ zum Nord-Ostsee-Kanal blicken kann, ist das doch das ideale Stichwort für einen Spazierwegvorschlag.

Wir befinden uns nun auf der Westseite Kiels.

Schleuse Kiel-Holtenau, Blick auf NOK

Schleuse Kiel-Holtenau, Blick auf NOK

Ein paar gaaanz grobe Daten für den NOK gefällig? Nicht ganz 100 km lang (Und nein, Ihr sollt die jetzt natürlich nicht auf einmal „abreißen“), gehört zu den weltweit meist befahrenen künstlichen Wasserstraßen für Seeschiffe. Der Kanal wird an beiden Enden durch Schleusen gegen die schwankenden Wasserstände abgeschlossen und hat somit auf seiner gesamten Länge denselben Wasserstand. Die mit der Kanaldurchfahrung ersparte Wegstrecke beträgt u.U. 250 Seemeilen (460 Kilometer). Erbaut wurde der Kanal bereits Ende des 19. Jahrhunderts, seitdem ausgebaut.

Unter der Holtenauer Hochbrücke

Der Kanal muss selbstverständlich auch passiert/über- oder unterquert werden können. Das geht auf drei Arten. Via Brücke, via Fähre oder Tunnel. Allesamt kostenlos. Auch dies geht bereits auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Im Rahmen des Baus des Kaiser-Wilhelm-Kanals, so hieß der NOK damals, verpflichtete sich das Deutsche Reich kostenlose Übergänge für die durch den Kanalbau unterbrochenen Verkehrswege bereitzustellen. In der Nähe Kiels gibt es da z.B. die Holtenauer Hochbrücke(n), die Levensauer Hochbrücke(n), Holtenauer Fähre, Fähre Landwehr.

Nord-Ostsee-Kanal

Nord-Ostsee-Kanal

Ein besonderer Reiz des NOK liegt darin, dass man Vegetation und Wasser so wunderbar vereint hat. Auch wenn man ihm ansieht, dass er eine künstliche Wasserstraße ist. Die geraden Ufer und der befestigte Weg, der für Spaziergänger und Radfahrer in weiten Teilen beidseitig nutzbar ist. Und mittendrin das Beste: Schiffe in allen möglichen Größen und Varianten. Manchmal kannst oder musst du die direkte Wasserlinie verlassen. Und auch das hat mindestens einen sehr positiven Effekt: Besonders überraschend und imposant wirkt es dann, wenn du plötzlich inmitten der Bäume oder Felder sich bewegende Schiffsaufbauten erblickst!

NOK, Kanalfähre Landwehr

NOK, Kanalfähre Landwehr

Deinen Spaziergang kannst du also einseitig, ausdrücklich nicht eintönig (!), gestalten oder du baust eine Querung mit ein. Willst du mal innehalten und genießen, findest du entlang des Kanals „hüben wie drüben“ Parkbänke, auf denen du Ausruhen kannst.

Schleuse Kiel-Holtenau, Nord-Ostsee-Kanal

Schleuse Kiel-Holtenau, Nord-Ostsee-Kanal

Also ich habe gerade richtig große Lust bekommen. Müsste ich nicht weiter an diesem Artikel basteln und noch die Fotos aussuchen, würde ich – sozusagen stante pede – loslaufen. Und was hält dich (noch) auf?!